Lenné-Geburtshaus

Sanierung des Denkmals ist nötig

Das Lenné-Haus in Bonn steht vor dem Verfall

 

von Simon Fiedler, General Anzeiger Bonn 28.03.2019

BONN. Riesige Löcher klaffen im Putz, der Lack an den Fensterrahmen blättert ab,

und Efeu wuchert an der Außenwand: das Lenné-Haus verfällt zusehends.

Weder Uni noch Landesbetrieb nennen jedoch einen Zeitpunkt für die Sanierung.

 

Man sollte meinen, rechtzeitig zum 250. Geburtstag des berühmtesten Bonners,

Ludwig van Beethoven, würden auch die Geburtshäuser weiterer berühmter

Bonner ansehnlich herausgeputzt. Beim Geburtshaus von Peter Joseph Lenné

kann davon jedoch nicht die Rede sein: Riesige Löcher klaffen im Putz, der Lack

an den Fensterrahmen blättert ab, und Efeu wuchert an der Außenwand. Auch

dem Publikum bleibt das Gebäude neben dem Alten Zoll weitgehend verschlossen.

Lediglich eine Gedenktafel erinnert dort an den Bonner Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné, der 1789 in dem Gärtnerhaus an der Konviktstraße geboren wurde. Die ersten drei Lebensjahre verbrachte er somit in „Nachbarschaft“ zu dem berühmten Komponisten, den es 1792 endgültig nach Wien zog. Lenné hingegen wurde später zum königlich-preußischen Gartenbaumeister. Er entwarf den Park von Schloss Sanssouci und gestaltete den Alten Friedhof in Bonn um.

 

„Das Lenné-Haus wäre ein geeignetes Objekt für Touristen, gerade im Beethovenjahr“, sagt Kajo Kusen, lange Jahre Vorsitzender und seit zwei Wochen Ehrenvorsitzender der Lenné-Gesellschaft. „Aber meiner Meinung nach wird die Renovierung bis dahin nicht gelingen. Die Prioritäten liegen woanders.“ Die 2016 gegründete Gesellschaft wünscht sich, im Lenné-Haus ein Museum einzurichten. Immerhin durfte sie zum Tag des offenen Denkmals das Foyer des Hauses zeigen.

„Mehr hätten wir auch nicht präsentieren können“, sagt Kusen, weil die Universität Bonn als Eigentümerin das Haus als Personalgebäude nutzt. Derzeit beherbergt das Lenné-Haus Personalrat und Gleichstellungsbüro der Universität. Bis Mitte vergangenen Jahres wohnte im ersten Stock noch eine ältere Dame. „Als die Wohnung frei wurde, hatten wir dann die Hoffnung, dort endlich einen Gedenkraum einrichten zu können“, sagt Kusen.

 

Universität hat andere Pläne

Die Universität aber plant, das Haus weiter für den Personalrat und das Gleichstellungsbüro zu nutzen. Die Sanierung soll deren Raumbedarf decken. „Aufgrund der zunehmenden Raumnot ist auch nicht damit zu rechnen, dass dort in absehbarer Zeit Räume für die Nutzung durch Dritte frei werden“, teilt der Pressesprecher der Universität, Andreas Archut, auf Anfrage mit. Zuständig für die Sanierung ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW. Das Dach, die Fenster und die Fassade müssten komplett saniert werden, weiß BLB-Pressesprecher Frank Buch. „Die Arbeiten im Inneren hängen von der zukünftigen Nutzung des Gebäudes ab.“

Der BLB wie auch die Universität beabsichtigten eine zeitnahe Sanierung des Lenné-Hauses. Man stimme sich derzeit über den konkreten Sanierungsbedarf mit der Universität ab. Erst wenn dieser genau feststeht, lässt sich laut Buch sagen, wann saniert wird und wie teuer diese Maßnahme wird. Auch die Uni kann noch nicht sagen, wann sie den BLB mit der Sanierung beauftragen wird.

Auch die Untere Denkmalbehörde der Stadt konnte auf Anfrage dem zuständigen städtischen Unterausschuss nicht zusichern, dass das Haus bis 2020 renoviert wird. Es fehlten Geld und Kapazität. Insgesamt scheinen der Stadt die Hände gebunden: „Die Untere Denkmalbehörde der Stadt wartet darauf, dass die Universität Bonn ihre Raumbelegungsplanung abschließt und den Bau- und Liegenschaftsbetrieb beauftragt, die Sanierung einzuleiten“, sagt Stefanie Zießnitz vom Presseamt. Das ursprüngliche Ziel sei es gewesen, das Haus 2018 zu sanieren, wie die Verwaltung der Kommunalpolitik mitgeteilt hatte. Somit konnte nicht nur der ursprüngliche Zeitplan für die Sanierung nicht eingehalten werden. Mittlerweile existiert nicht einmal mehr einer.

Die Lenné-Gesellschaft hat mit Jost Brökelmann einen neuen Vorsitzenden gewählt. Er löst Kajo Kusen ab, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung steht und bei der Mitgliederversammlung am 14.  März zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Weitere Infos auch zum Jahresprogramm mit sechs „Grünen Touren“ auf www.lenne.nrw.

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