Peter Joseph Lenné – Vorreiter einer „grünen“ Stadtplanung 

von Jost D. Brökelmann1

 

 

Peter Joseph Lenné (1789-1866), der bekannte Gartenbaudirektor des 19. Jahrhunderts, war nicht nur Planer und Gestalter vieler herrschaftlicher Parks und Gärten in Preußen und Europa, sondern als Kind der Aufklärung und Romantik auch Schöpfer von Volksparks und Grünanlagen für die Städter, z. B. in Berlin. Seine Mitgliedschaft u. a. im „Komitee zur Beschäftigung brotloser Arbeiter aus Potsdam und Umgebung“ zeigt seine soziale Grundeinstellung und sein Herz für die Armen.

 

Die Bevölkerung in Berlin hatte sich zwischen 1810 und 1840 verdoppelt und es herrschte Wohnungsnot. Ab 1840 hat sich Peter Joseph Lenné vorrangig der Stadtplanung gewidmet, und zwar durchaus mit Unterstützung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. Er entwarf den Generalplan „Projektirte Schmuck- und Grenzzüge von Berlin und nächster Umgebung“, der viele Grün- und Erholungsflächen für die Bevölkerung vorsah. Unter anderem plante er eine Ringstraße um Berlin mit baumbestandenen Boulevards. Dieses war Lennés Vision einer idealen Stadt in einer ungesicherten Zukunft. Die „Begrünung“ von Berlin konnte er für das Köpenicker Feld, den Landwehr- und Luisenstädtischen Kanal und fast alle damals existierenden Plätze erreichen, den Bau der Ringstraße leider nicht; doch diese Idee übernahm sein Nachfolger.

 

Sein Credo als Stadtplaner war: „Denn je weiter ein Volk in seiner Kultur und in seinem Wohlstande fortschreitet, desto mannigfaltiger werden auch seine geistigen und sinnlichen Bedürfnisse. (…) Dahin gehören dann auch die öffentlichen Spazierwege, deren Anlage und Vervielfältigung in einer großen Stadt nicht allein des Vergnügens wegen, sondern auch aus Rücksicht auf die Gesundheit dringend empfohlen werden muß“

 

1857 erlitt sein großer Gönner König Friedrich Wilhelm IV. einen Schlaganfall. Danach schwand Lennés Einfluss am Hofe; offenbar hatten seine ästhetischen Entwürfe für die Stadt etliche Widersacher gefunden. Nach der Thronbesteigung von Wilhelm I. Im Jahre 1861 wurde der Fachmann für Stadtentwässerung James Hobrecht mit der Stadtplanung beauftragt. Berlin entwickelte sich zur „Steinernen Stadt“ bzw. der „größten Mietkasernenstadt der Welt“.

 

In seiner ersten Schaffensperiode konnte der romantische Gärtner Peter Joseph Lenné in Potsdam seinen Traum einer Parklandschaft verwirklichen; dann ereilte ihn die Realität und er wurde zum Umweltschützer und Helfer der allgemeinen Bevölkerung - er wurde der „Buddelpeter“ von Berlin.

 

Sein Wahlspruch blieb bis zuletzt „Gottes Natur - mein Meister, Sein Himmel - meine Heimat und meine Werkstatt - Seine weite, schöne Erde“(1862)2.

 

 

 

1  Zusammenfassung des Kapitels „Der Stadtplaner“ aus Heinz Ohff: Peter Joseph Lenné. Eine Biographie. Jaron 2003

 

2  Knopp, Gisbert: Peter Joseph Lenné – Der berühmte königlich-preußische Generalgartendirektor und seine vielgeliebte Vaterstadt Bonn. Bonner Geschichtsblätter 60 (2010), S. 107-138

 

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