Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.
Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.

An den Oberbürgermeister der Stadt Bonn                            Herrn Ashok Sridharan

Bonn, 06.07.2020

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

in den letzten Wochen hat es eine Befragung der Bonner Bevölkerung durch Straßen.NRW zum Ausbau der Autobahn A565, dem „Tausendfüßler“, gegeben. Die wichtigsten Antworten zu diesem Projekt und neuere Erkenntnisse dazu besonders in Hinblick auf Gesundheitsschäden haben wir in beiliegender Studie zusammengefasst (Anlage).

Im „Masterplan Energiewende und Klimaschutz Bonn“ heißt es, dass Bonn „Vorreiter und wichtiger Multiplikator bei der Schaffung von Stadtnatur in Deutschland“ sein will. Mit Ihrer Unterstützung ist jetzt das „Online-Tool für Stadtplanung während der Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ ins Netz gestellt worden. Setzen Sie doch bitte dieses Planungsinstrument und den Masterplan Stadtnatur des Bundesministeriums für Umwelt ein, um zu entscheiden, ob es wirklich sinnvoll ist, einen veralteten Verkehrsplan gegen den Willen eines Großteils der Bevölkerung und gegen die Einsichten von Ärzten und Umweltschützern durchzusetzen.

Sie mögen sich wundern, dass obige Anregung u.a. von der Lenné-Gesellschaft Bonn e. V. kommt, einem Verein, der eher mit Kultur statt Stadtplanung in Verbindung gebracht wird. Dieses geschieht aus drei Gründen:


Erstens ist der spätere preußische Gartenbaudirektor Peter Joseph Lenné ein berühmter Sohn dieser Stadt Bonn.
Zweitens hatte er in Endenich, Auf dem Hügel 6, einen Lenné-Park geschaffen.
Drittens war er ca. 25 Jahre lang Stadtplaner von Berlin und hatte es in der Mitte des 19. Jahrhunderts geschafft, Berlin durch Parks und Grünanlagen für die Bevölkerung lebenswerter zu gestalten; er war davon überzeugt, dass Grünanlagen die Bevölkerung gesunden lassen. Als Vorreiter für eine „Grüne Stadtplanung“ hätte Peter Joseph Lenné sich heute sicher für die Umgestaltung (Verschönerung) und Ausweitung von Grünanlagen in dicht bewohnten Stadtgebieten eingesetzt und den „Tausendfüßler“ als Allee ausgebaut.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, ein weiterer Aspekt sollte u. E. auch berücksichtigt werden:
Stadtregierung und Stadtgesellschaft haben unter Ihrer Führung richtige Schritte zur Eindämmung der Folgen des Corona-Virus unternommen. Mit diesem Virus leben zu lernen bietet auch Zukunftschancen. Eine dieser Chancen liegt in der Erkenntnis, dass Arbeit im home-office eine qualitätvolle Alternative zur Büroarbeit darstellt. Gerade in unserer Stadt Bonn mit mehr als 90 % aller Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor ergibt sich durch Ausnutzung dieses Arbeitsformats die Möglichkeit einer dauerhaften Entspannung in den Spitzenstunden der Mobilität. Dies sollte und muss zu einem Überdenken der innerstädtischen Verkehre, aktuell der prognostizierten Belastungen des Tausendfüßlers führen. Wir bitten Sie herzlich, diese Chancen für eine Qualitätssteigerung der Lebensverhältnisse in unserer Stadt zu nutzen mit dem Ziel, eine Erweiterung der Verkehrsflächen für den motorisierten Individualverkehr zu vermeiden.

Mit freundlichen Grüßen,

 

 


Jost Brökelmann
Vorsitzender, Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.
Karthäuserstr. 18
53129 Bonn
Tel. 0228 549138
Fax 0228 538 7523
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