Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.
Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.

Gedächtnisprotokoll der Sitzung des Bürgerausschusses am 28. Mai 2020                   Ort: großer Ratssaal, 18:00 Uhr

Der Punkt „4.10.1 Bürgerantrag: Lennépark Bonn-Endenich 200206-1 ST

 

wurde etwa um 19:40 Uhr aufgerufen. 

 

    

Zu Beginn dieser Sitzung gab Jost Brökelmann von der Lenné-Gesellschaft 

folgende, im Vorstand abgestimmte Stellungnahme ab:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

der Bürgerantrag der Lenné-Gesellschaft Bonn fußt auf vier Tatsachen:

 

1. Peter Joseph Lenné, der berühmteste Gartengestalter und Stadtplaner des 19. Jahrhunderts in Deutschland, ist hier in Bonn geboren und aufgewachsen. Nach Beethoven ist er der zweit-berühmteste Sohn der Stadt.

 

2. Der Lenné-Park in Endenich, den Peter Joseph Lenné 1859 für seinen Freund Peter Michels geplant hat, ist das einzige Gartenwerk, das er in seiner Vaterstadt ausgeführt hat. Nach starker Kriegszerstörung von Haus und Park dient es seitdem der Universität als Versuchsgelände für Nutzpflanzen. Dennoch sind Wege und vor allem alte Bäume des Lenné-Parks erhalten.

 

3. Wir haben Antrag bei der Bezirksregierung Köln gestellt, den Lenné- Park in Bonn-Endenich als Denkmal zu erhalten. Die Bezirksregierung Köln hat uns mitgeteilt, dass sie das LVR-Amt für Denkmalpflege um Prüfung der Denkmaleigenschaft gebeten hat.

 

4. Der ehemalige Lenné-Park in Endenich ist die einzige grüne Oase vor Ort. Ein Teil dieses Geländes soll jetzt dem Autobahnausbau weichen. Endenich hingegen braucht einen Bürgerpark.

Aus diesen Tatsachen kann man als geschichts- und umwelt-bewusster Bürger nur einen Schluss ziehen: Der Park muss erhalten und ausgebaut werden – als Denkmal und als Bürgerpark.

Meine Damen und Herren, die Lenné-Gesellschaft Bonn setzt sich ganz im Sinne von Lenné für eine gesunde Durchgrünung der Stadt ein; denn Menschen leben in der Nähe von Grünanlagen nachweislich signifikant gesünder als in einer verdichteten und verkehrsintensiven Umgebung.

 

Vielen Dank.


 

Aussprache im Bürgerausschuss:

Die erste Wortmeldung kam von der „rechten“ Ratsseite: Seit gestern gäbe es ein Schreiben der Universität, welches für die Diskussion des Bürgerantrags wichtig sei.

Vorsitzende Frau Klingmüller: „Wir wollen zunächst den Bürgerantrag diskutieren.“

Es kamen mehrere Wortmeldungen, besonders von der linken Ratsseite, die sich für den Antrag aussprachen, aber auch zugaben, dass sie bislang nicht von der Existenz eines Lenné-Parks in Endenich gewusst hatten.

Auf Vorschlag der Vorsitzenden nahm Herr Dieter Fuchs, Leiter des Amts für Stadtgrün, Stellung zu dem Schreiben der Universität und sagte sinngemäß:

 

Die Universität ist die Besitzerin des Lenné-Parks. Sie plant, dieses Areal im Zuge der Erweiterung des Campus Endenich auszubauen. Dabei wird aber der Lenné-Park erhalten werden. So steht das im Schreiben der Universität, und so ist das auch in der Planung der Universität aufgenommen. Deswegen erübrigt sich eine Diskussion des Antrages; denn der Park wird ja erhalten, und darauf zielt der Antrag der Lenné-Gesellschaft doch letztendlich. Die Stadt hat das Gelände bisher stiefmütterlich behandelt. Das Gelände gehört im Übrigen der Uni. Die Stadt hat wenig Einfluss darauf“.

 

Die Vorsitzende fragte noch einmal, ob der Antrag bis zur nächsten Sitzung des Bürgerausschusses vertagt werden soll, denn es bestünde doch noch großer Informationsbedarf.

Ein Mitglied des Bürgerausschusses meinte, der Bürgerantrag der Lenné-Gesellschaft sei „nur eine weitere Aktion, um den Autobahnbau zu verhindern“.

Es wurde auch vorgeschlagen, dass die weitere Bearbeitung des Bürgerantrags durch den Umweltausschuss oder Planungsausschuss als Fachausschuss durchgeführt werden solle.

Auch wurde gesagt, dass der Bürgerantrag doch eigentlich mit dem Schreiben der Universität erledigt worden sei.

 

Die Vorsitzende fragte den Antragsteller Jost Brökelmann, ob er von dem Schreiben der Universität gewusst hätte. Antwort:

„Die Lenné-Gesellschaft ist zwar mit der Universität wegen des Lenné-Geburtshauses in Kontakt; von diesem Schreiben bezüglich Endenich hat sie jedoch keine Kenntnis erhalten.“

Daraufhin gaben mehrere Stadtverordnete ihre Kopie des Schreibens der Universität an Mitglieder der Lenné-Gesellschaft, „da wir das Schreiben auch als Datei haben“.

 

Es hat wohl eine Abstimmung über den Bürgerantrag stattgefunden. Das Ergebnis ist den anwesenden Mitgliedern der Lenné-Gesellschaft nicht deutlich geworden. Der allgemeine Konsensus schien zu sein, dass sich der Bürgerantrag durch das Schreiben der Universität erledigt habe. Ein Stadtverordneter schlug vor, dass sich die Universität mit der Lenné-Gesellschaft ins Benehmen setzt, worauf die Ausschussvorsitzende antwortete, dass man das der Universität nicht vorschreiben könne, es sich aber sicherlich automatisch ergäbe. Es wurde vorgeschlagen, dass sich beide Parteien zusammensetzen.

Laut offiziellem Ergebnis der Abstimmung wurde der Bürgerantrag „mit Mehrheit gegen AfB und Piraten abgelehnt“.


Eindruck und Kritik (von Jost Brökelmann, Raimund Gerber, Irmgard Henseler):

Wegen des für uns zunächst unklaren Beschlusses haben wir die Stadtverwaltung mündlich nach der Sitzung sowie mit E-Mail gebeten, uns das Protokoll oder den Link dazu zu schicken.

 

Das Schreiben des Rektors Prof. Michael Hoch und des Kanzlers Holger Gottschalk ist eine eindringliche Bitte an den Oberbürgermeister der Stadt Bonn und den Ausschuss, den bisherigen Weg „Masterplanung Campus Endenich“, deren Ausschreibung als Wettbewerb 2012 in Zusammenarbeit mit der Bundesstadt Bonn und der Universität Bonn geplant wurde, weiter zu unterstützen – d. h. im Klartext, den Bürgerantrag abzulehnen.

Dieser Bitte der Universität ist der Ausschuss nachgekommen.

 

Nicht zur Sprache kam während der Debatte, dass die Universität gar nicht die Besitzerin der Liegenschaft ist, wie von Herrn Fuchs behauptet, sondern die Landesbehörde BLB NRW. Der Ausschuss wurde also fehlinformiert.

Herrn Fuchs sagte, wie weiter oben vermerkt, dass der Lenné-Park als solcher erhalten bleiben würde. In dem Schreiben der Universität (Anlage) heißt es dazu „Die vegetativen Relikte der Lennéterrassen werden in die entstehenden Parkflächen integriert und bleiben für die Öffentlichkeit zugänglich“.

Im Klartext heißt das unseres Erachtens, dass einige alte Bäume, die sog. „vegetativen Relikte der Lennéterrassen“, als „Feigenblatt“ dienen müssen, dass hier einst ein Park des zweit-berühmtesten Sohnes der Stadt Bonn stand.

 

Der im Anschreiben an den Oberbürgermeister genannte Link zum „Masterplanung Campus Endenich“ kann vom Unterzeichner auch mittels zweier verschiedener Betriebssysteme des Computers nicht geöffnet werden. Somit konnten wahrscheinlich auch die Stadtverordneten sich nicht informieren, wie der ehemalige Lenné-Park bebaut werden soll.

 

Über Herrn Raimund Gerber haben wir aber erfahren, dass ein im Internet zugängiger Architektur-wettbewerb gerade diese Bebauung des ehemaligen Lenné-Parks im Jahre 2012 zum Thema hatte. Man erkennt, dass danach das Areal weitgehend bebaut werden soll. Offensichtlich ist bei den Planungen nicht berücksichtigt worden, dass auf dem Gelände einst ein Lenné-Park existiert hat.

Den Stadtverordneten wurden also wichtige Informationen zu den Bauplänen der Universität vorenthalten. Die Universität und die Landesbehörde BLB NRW, vertreten durch den Kanzler, vertrauten offenbar darauf, dass wegen der „guten Beziehungen“ zwischen Universität und Bundesstadt Bonn ein Bürgerantrag, der den ehemaligen Lenné-Park denkmalgerecht erhalten und zu einem öffentlichen Park ausbauen lassen will, abgelehnt wird.

 

Jetzt wird es wesentlich darauf ankommen, wie das LVR-Amt für Denkmalpflege über den Antrag der Lenné-Gesellschaft auf Denkmalschutz urteilt. Die Einschätzung der Denkmalwürdigkeit müsste von den Besitzern und Nutzern des ehemaligen Lenné-Parks berücksichtigt werden.

Es irritiert, wie die Stadt Bonn, die Universität und Straßen-NRW mit ihrem historischen Erbe umgehen.

 

Bonn den 30. Mai 2020, korrigiert 3. Juni 2020

 

 

    

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